Der Hofnarr (The Court Jester, 1956)
Dieser Film ist absolute Kult-Comedy
von Reinhard Prahl
Danny Kaye als hartnäckiger, aber leicht trotteliger Widerstandskämpfer, der den bösen König von England das Fürchten lehrt, das hat schon etwas. Vor allem dann, wenn der Held nicht nur die schöne Maid, sondern auch noch ein Baby retten darf, dass sich als wahrer Herrscher entpuppt.
Das passiert
England im 13. Jahrhundert. König Roderick herrscht als brutaler und gieriger Usurpator über das Land und presst vor allem die ärmere Bevölkerung aus. In den Wäldern formiert sich jedoch der Widerstand, der bald schon auf den Plan tritt, als der leicht trottelige Hubert Hawkins als Hofnarr ins Schloss eingeschmuggelt wird, um eine Revolte vorzubereiten.
Als Beschützer des wahren Thronerben versucht Hubert, zwischen Verkleidungen, Täuschungen und schrägen Missverständnisse die wahren Herrscheransprüche wiederherzustellen — und gerät dabei ein ums andere Mal in große Schwierigkeiten. Am Ende zeigt sich jedoch, dass Witz, Mut und ein wenig Glück manchmal mehr bewirken als jede Rüstung.
Über den Film
Wir schreiben das Jahr 1953. Der seit 1937 im Filmgeschäft aktive Schauspieler, Komiker, Sänger und Tänzer Danny Kaye (1911- 1987) befindet sich auf dem ersten Höhepunkt seiner Karriere. Filme wie die Technicolor-Komödie Das Doppelleben des Herrn Mitty (The Secret Life of Walter Mitty, 1947) und vor allem An der Riviera (On the Riviera, 1951) avancierten zu großen Boxoffice-Hits und zeigten Kayes Fähigkeiten in seiner ganzen Bandbreite.
Doch nach Hans Christian Andersen und die Tänzerin (Hans Christian Andersen, 1952) ändert sich etwas. Kaye möchte mehr künstlerische und geschäftliche Freiheit für sich und seine Ehefrau, die Komponistin und Texterin Sylvia Fine (1913 – 1991). Also entscheiden sich die beiden irgendwann im Jahr 1953 ihre eigene Produktionsgesellschaft namens Dena Enterprises zu gründen. Mit Paramount als starken Partner an der Seite ist das Unternehmen ein Weg, endlich zu „beweisen, dass Filme die Spontanität einfangen“ können, die „Kaye auf der Bühne vor seinem Publikum“ (zit. n. Quin, Übers. d. Autors) zeigt.
Wie genau es zu der Gründung der Firma kam und auf welchen Tag diese datiert, lässt sich heute nicht mehr genau recherchieren, fest steht jedoch, dass die Oscar-nominierte beschwingte Revue-Komödie Weiße Weihnachten (White Christmas, 1954), in der Kaye neben Superstar Bing Crosby (1903 – 1977) zu sehen ist, noch unter dem Dach von Paramount entstand.
Das erste eigenständige Werk der nach Kayes und Fines gemeinsamer Tochter benannten Produktionsgesellschaft ist zweifelsfrei Die Lachbombe (Knock on Wood), der mit Einnahmen von 3,5 Millionen Dollar und einer weiteren Oscarnominierung die Entscheidung zur Selbständigkeit noch beflügelt haben dürfte.
Beide oben genannten Filme haben übrigens etwas gemeinsam, nämlich ihre Autoren bzw. Regisseure in Form von Melvin Frank (1913 – 1988) und Norman Panama (1914 – 2003), die maßgeblich an der Entstehung von Der Hofnarr beteiligt waren. Die Idee hinter der Mittelalterparodie war klar: das komödiantische und musikalische Talent des Stars in einem historischen Setting zu zeigen, wobei Wortwitz, Slapstick und Gesangsnummern kombiniert wurden und im Vordergrund standen.
Panama war einer der treibenden Kräfte hinter der Story, wobei es allen hinter der Produktion Stehenden wichtig war, keine Adaption zu schreiben. Stattdessen erdachten Kaye, Panama und Melvin Frank in über einem Jahr Arbeit die nette Geschichte um einen als Hofnarr getarnten Widerstandskämpfer, der den bösen König stürzt, indem er das verschollene Baby des wahren Thronerben beschützt und am Ende der Öffentlichkeit präsentiert. Anleihen an Robin Hood – König der Vagabunden (The Adventures of Robin Hood, 1938) und Filme wie Ivanhoe – der schwarze Ritter (Ivanhoe, 1952) sind dabei unverkennbar, beinhaltet der Film doch sogar eine Figur, die unserem Lieblingsoutlaw zum Verwechseln ähnelt.
Das Casting
Ein weiteres Indiz dafür, dass der Klassiker von 1938 durchaus eine der Hauptinspirationen für den Film war, ist das Engagement von Basil Rathbone (1892 – 1967), der schon dort den fechtenden Bösewicht gab. Rathbone, im Streifen Sir Ravenhurst, war zum Zeitpunkt des Drehs bereits 63 Jahre alt, galt aber immer noch als Weltklassefechter, der diesem Sport nicht nur in seinem Beruf als Schauspieler frönte.
Die unter anderem aus Walt Disneys Der königliche Rebell (The Highland Rogue, 1953) bekannte Glynis Johns (1923 – 2024), war zum Zeitpunkt des Drehs hingegen gerade mal 30 Jahre alt und gab die Maid Jean. Als kleines „Funfact“ sei an dieser Stelle erwähnt, dass Johns bis zu ihrem Ableben im Jahr 2024 die letzte noch lebende Person war, die an Der Hofnarr gearbeitet hatte.
Als Prinzessin Gwendolyn trat Angela Lansbury (1925 – 2022) in Erscheinung, die wir heute überwiegend aus ihrer langlebigen Krimiserie Mord ist ihr Hobby (Murder She Wrote, 1984 – 1996) kennen, die aber in Wahrheit ihre Karriere bereits im Jahr 1944 mit dem Film Das Haus der Lady Alquist (Gaslight) begonnen hatte. Ihre ersten große Erfolge feierte sie mit Das Bildnis des Dorian Gray (The Picture of Dorian Gray), der sie zur gefragten Mimin machte.
Der Brite Cecil Parker (1897 – 1971) spielte den bösen König Roderick, während Mildred Natwick (1905 – 1994), die unter anderem 1948 und 1949 mit John Ford und John Wayne Spuren im Sand (3 Godfathers) und Der Teufelshauptmann (She Wore a Yellow Ribbon) gedreht hatte, die Griselda gab. Der bekannte TV-Darsteller Robert Middleton (1911 – 1977) wurde zu Sir Griswold und der aus Man nennt mich Hondo (Hondo, 1953) bekannte Michael Pate (1920 – 2008) zu Sir Locksley.
Alles in allen versammelte Der Hofnarr also einen illustren Cast, wie die Kaye-Expertin Eleanor Quin in einem Onlineartikel 2005 betonte: „Die herausragenden Nebendarsteller von Der Hofnarr trugen zweifellos maßgeblich zum endgültigen Erfolg des Films bei. Wie in der Biografie von [Martin] Gottfried hervorgehoben wird: ‘In diesem Film arbeitet er mit den Schauspielern zusammen, anstatt vor ihnen zu stehen.‘“ (Übers. d. Autors)
Die Produktion von Der Hofnarr
Der Drehbeginn von Der Hofnarr war für Juli 1954 geplant, verschob sich aber aufgrund diverser Probleme auf Ende November. Paramount stellte ein durchaus üppiges Budget von 2,5 Millionen Dollar bereit, bis zur Veröffentlichung am 27. Januar 1956 waren daraus aber zwischen 3,7 und vier Millionen Dollar geworden, ein absoluter Rekord für eine Komödie dieser Tage!
Um einen Vergleich zu bemühen: Disneys 20000 Meilen unter dem Meer (20000 Leagues Under the Sea) von Richard Fleischer mit Kirk Douglas in der Hauptrolle hatte fünf Millionen Dollar verschlungen, war aber aufgrund seiner zahlreichen Spezialeffekte inklusive Unterwasseraufnahmen auch wesentlich komplizierter zu drehen.
Bis auf einige Szenen in Palos Verde, Kalifornien entstand das Werk überwiegend in den Paramount Studios in Los Angeles, wobei der Backlot für circa 200000 Dollar in die Schlossinnenkulisse transferiert wurde. Wie hoch diese Investition war, wird klar, wenn man bedenkt, dass fünfzehn Jahre zuvor der Bau der gesamten berühmten Stage 21 der Warner eigenen Burbank-Studios 150000 Dollar gekostet hatte (vgl. hierzu Der Herr der sieben Meere).
Die Dreharbeiten selbst verliefen alles andere als einfach, wie der Kaye-Biograf Michael Freedland in seinem Buch The Secret Live of Danny Kaye von 1985 festhielt. Zwar erinnerte sich Norman Panama später mit den Worten „was für ein entzückender Film. […] Er (Anm.: gemeint ist Danny Kaye) übernahm quasi die Regie. Er war sehr hilfreich und benahm sich uns gegenüber sehr rücksichtsvoll“. (Freedland: 198, Übers. d. Autors)
Diese Aussage mutet allerdings umso eigenartiger an, wenn man sich die Retrospektive des zweiten Regisseurs, Melvin Frank, zu Gemüte führt: „Der Hofnarr zu drehen, war die pure Hölle. Danny befand sich in einem seiner ‚Nichts-kann-meine-Stimmung-heben‘-Zustände, mit anderen Worten: er war in einer tiefen Depression gefangen, und ich meine wirklich tief. So etwas hatten wir noch nie erlebt. Weiße Weihnachten war okay und Die Lachbombe war diesbezüglich sogar ein wundervolles Erlebnis. Doch dies war etwas völlig Anderes. Als wir Der Hofnarr drehten, schien alles falsch zu sein.“ (Freedland: 199, Übers. d. Autors).
Und Angela Lansbury ergänzt in ihrer Biografie: „Danny war kein Ensemble-Spieler – er war derjenige, um den alle tanzten, und wir alle richteten uns nach ihm.“ (zit. n. Quin, Übers. d. Autors). Das Drama begann bereits, als Kaye sich zum ersten Mal in Strumpfhosen und mit Narrenkappe sah. Er fand seine Beine zu dünn und ließ deshalb ein Paar sogenannte Symmetricals aus einem speziellen Schaumgummi herstellen, die seine Gliedmaßen kräftiger erscheinen ließen. Die Anfertigung erfüllte zwar ihren Zweck, saß aber überaus unbequem. Zudem schwitzte der Star so stark in ihnen, dass beides in Kombination weiter an seiner Laune zerrte.
Eines Tages quittierte er die unkomfortablen Umstände mit dem wenig schönen, in die Runde gespienen Satz: „Ich kann vor drei Uhr nachmittags noch nicht einmal pissen gehen, könnt ihr euch vorstellen, was das heißt?“ (Freedland: 200, Übers. d. Autors). Wahrscheinlich erklären sich die leicht ersichtlichen Diskrepanzen indes darin, dass Panama und Frank die Arbeit aufteilten, wobei Frank am Set und Panama im Schneideraum das Sagen hatte.
Andererseits gelang es Kaye aber auch, seine Kollegen tief zu beeindrucken. Angela Lansbury erzählte in dem oben erwähnten Buch von Martin Gottfried jedenfalls, seine Handbewegungen seien von der Commedia dell'arte (eine besondere Form des Improvisationstheaters) inspiriert und ebenso originell wie einzigartig. Mildred Natwick wunderte sich andererseits über sein unnachahmliches Sprachtalent, welches in dem bekannten Zungenbrecher
„The pellet with the poison's in the vessel with the pestle, the chalice with the palace has the brew that's true“
In der deutschen Synchronfassung: "Der Wein mit der Pille ist in dem Becher mit dem Fächer. Der Pokal mit dem Portal hat den Wein gut und rein."
mündete. Noch begeisternder lesen sich allerdings die zahlreich überlieferten Anekdoten über Basil Rathbone, der Kaye zwei Wochen lang Fechtunterricht gab. Der Komiker verfügte über keinerlei Erfahrung mit dem Säbel, lernte seinen Lektionen aber sehr schnell. Dank dem extra dafür entlohnten Rathbone sowie Fechtlehrer Ralph Gardner gelang es dem Mimen, schon nach einem Tag Intensivtraining den Eindruck zu erwecken, sein Leben lang nichts anderes getan zu haben, als zu fechten.
Nach zwei Wochen hatte der britische Charakterdarsteller, der schon gegen Peter Blood, Robin Hood und Zorro in Im Zeichen des Zorro (The Mark of Zorro, 1940) angetreten war, kaum noch eine Chance, wenn auch mehr aufgrund seines hohen Alters. In einer Szene schlug Kaye Rathbone die Perücke vom Kopf und verletzte ihn leicht, so dass schließlich mehrere jener Actionszenen gedoubelt wurden.
Allerdings war der berühmte Bösewichtdarsteller nicht die einzige Person am Set, die einige Blessuren hinnehmen musste. Auch Danny Kaye ließ die ein oder andere Feder, so zum Beispiel eine durch einen Sturz zugezogene Verletzung, einen gerissenen Fingernagel und eine Verstauchung des Daumens. All das war aber verschmerzbar, vor allem, wenn man das Endergebnis kennt. Immerhin heimste der Film denn auch diverse Auszeichnungen ein und wurde in die Liste der 180 „Greatest Movie Musicals“ sowie in jene der 100 lustigsten (im Jahr 2000) des American Film Institute aufgenommen.
Eine weitere hübsche Anekdote betrifft last but not least die vom Comedy-Star getragene Rüstung, die Kaye im wahrsten Sinne des Wortes eine schwere Zeit bescherte. Das gute Stück wog sage und schreibe 175 Pfund und damit über 79 Kilogramm. Jedes Mal, wenn eine entsprechende Szene anstand, quälte er sich zwei Stunden lang mit dem Ankleiden herum, und das, obwohl er sich doch eine flexible Lösung gewünscht hatte. Kostümdesignerin Edith Head konnte sich jedoch nicht vorstellen, dass man eine flexible und bequeme Rüstung überhaupt herstellen könnte und überzeugte ihren Arbeitgeber stattdessen, sich mit einer aus Aluminium zufriedenzugeben.
Das Produktionsteam
Neben Norman Panama, Melvin Frank, Danny Kaye und Syivia Fine (auf die wir gleich noch einmal zu sprechen kommen) verfügte die Produktion über den Luxus eines erfahrenen Teams. Chef der fotografischen Abteilung in Sachen VistaVision war Ray June (1895 – 1958), der in den 40er- und 50-er Jahren viele Komödien wie Der Superspion (A Southern Yankee, 1948) und Eine Falle für den Playboy (Just This Once, 1952) mit Peter Lawford und Janet Leigh in den Hauptrollen gedreht hatte.
Seine Karriere begann 1915 mit einer Reihe Kurzfilmen und erreichte mit dem Stummfilmklassiker Der Klub der Unterirdischen (Penrod, 1922) einen ersten Höhepunkt. In den Jahren 1930/31 passte er sich auf geradezu brillante Art der neuen Tonfilmzeit an und unterhielt das US-amerikanische Publikum in den Vorkriegs- und Kriegsjahren mit Starkino. Zu den Großen, mit denen er arbeitete, gehören unter anderem Clark Gable, Robert Taylor, Eleanor Powell, Spencer Tracy, Judy Garland und Mickey Rooney.
Sein Kollege Ray Rennahan hatte sein Debüt 1923 gefeiert und nach Blood Test bei der Stummfilmversion von Die zehn Gebote (The Ten Commandments, 1924) von Cecil B. DeMille mit Charles de Rocheford als Ramses II. mitgewirkt. Es folgten so bekannte Klassiker wie Die lustige Witwe (The Merry Widow, 1925), Hochzeitsmarsch (The Wedding March, 1928) und Rothaut (Redskin, 1929) mit Richard Dix als den von Weißen erzogenen Navajo Wing Foot.
Zu den bekanntesten Tonfilmwerken bis Der Hofnarr gehörten Der geheimnisvolle Dr. X (Doctor X, 1932), als beratender Technicolor-Experte Vom Winde verweht (Gone With the Wind, 1939) und die grandiose Ernest-Hemingway-Adaption Wem die Stunde schlägt (To Whom the Bell Toll, 1943) mit den unvergesslichen Stars Gary Cooper und Ingrid Bergman in den Hauptrollen.
Die künstlerische Leitung übernahmen der 1903 geborene und 1989 verstorbene Roland Anderson (u. a. Wir sind keine Engel/We're No Angels, 1955) und Hal Pereira, der Danny Kaye bereits bei Weiße Weihnachten zur Seite gestanden hatte. Die oben schon erwähnte Kostümbildnerin Edith Head (1897 – 1981) gehörte zu den Grande Dames ihres Fachs. Sie gewann im Verlauf ihres Schaffens acht Oscars und war insgesamt 28-mal nominiert, eine rekordverdächtige Leistung.
Für die Maske zeichnete Walter Westmore (1906 – 1973), einer der sechs Söhne von George Westmore und Onkel der Star Trek-Legende Michael Westmore verantwortlich. Ihm haben wir unter anderem das Make-up in Krieg der Welten – Schlacht um die Invasion (The War oft he Worlds, 1953) von Byron Haskin (1899 – 1984) zu verdanken, der wiederum die Spezialeffekte für Der Herr der sieben Meere mitkreierte.
Kommen wir damit zur musikalischen Untermalung, die von dem damaligen Neuling Vic Schoen (1916 – 2000) stammte. Schoen ging so unkonventionell vor, dass Igor Stravinsky ihm während eines Besuches der Aufnahmesession sagte: „Du hast alle Regeln gebrochen“, ein Kommentar, den der Komponist erst verstand, als die ersten Testscreens eine offensichtliche Unzufriedenheit des Publikums mit dem Score offenbarten. Um die Misere auszubügeln, engagierte man Walter Scharf, der mit Kaye an Hans Christian Andersen und die Tänzerin gearbeitet hatte. Später erzählte er: „Wir schrieben die Filmmusik komplett neu. Ich denke, das kostete rund 300000 Dollar. Aus Loyalität seiner Frau und seinen Geschäftspartnern gegenüber gab sich Danny unbeeindruckt, doch Paramount war alles andere als glücklich darüber.“ (Freedland: 201, Übers. d. Autors).
Wie bei den meisten Kaye-Filmen steuerte seine Frau Sylvia die Songs bei, was allerdings zu einem Problem wurde, weil sie ihre Kompositionen recht spät ablieferte. Einige schafften es letztlich noch nicht einmal in Film, so unter anderem „I Live To Love“. Zum Glück für die Fans enthielt der Soundtrack aber alle Aufnahmen, inklusive der erweiterten „Pass the Basket“-Nummer.
Die Veröffentlichung
Obwohl die Dreharbeiten offiziell Ende November 1954 ihren Abschluss fanden, gab es zwischen Februar und März 1955 eine Reihe von Nachdrehs, die am 18. März 1955 endlich abgeschlossen waren. Wie eingangs erwähnt feierte das Werk am 27. Januar 1956 Premiere. Die Einspielergebnisse enttäuschten mit 2,2 Millionen Dollar aber auf der ganzen Linie. Da half es auch nichts, dass zum großen London-Release am 9. Februar 1956 sogar Prinzessin Margaret anreiste, die ein großer Fan Kayes war und all seine Schallplatten besaß.
Abseits des Publikums ließ auch die Reaktion der Kritiker zu wünschen übrig. Es gab zwar eine Reihe von positiven Stimmen, aber genauso viele negative, eine Tatsache, die Kaye überaus schmerzte. Zu einem Klassiker wurde der Film erst über die Jahre hinweg. 2004 nahm ihn das National Film Registry der Library of Congress in die illustre Reihe kulturhistorisch bedeutender Filme auf.
Die Synchronisation von Der Hofnarr
Der deutsche Erstveröffentlichungstermin datiert auf den 17. August 1956. Verantwortlich für die hiesige Fassung zeichnete die berühmte Berliner Synchron GmbH Wenzel Lüdecke unter der Dialogregie von Klaus von Wahl (1923 – 1997). Das Buch schrieb Fritz A. Koeniger (1910 – 1990). Wahl hatte seine Künstlerkarriere als Sprecher begonnen, während Koeniger mehr dem Schreiben zugetan war und in seiner Laufbahn mehr als 200 Dialogskripte verfasste.
Als deutsche Stimme von Danny Kaye ist der fantastische Georg Thomala (1915 – 1990) zu hören, der nicht nur als Stammsprecher für den Comedian, sondern auch als der von Jack Lemmon, Peter Sellers und Bop Hope fungierte, mit dem das Regisseurduo Panama/Frank wiederum ab 1956 drei Filme realisierte. Bekannter war Thomala jedoch als der heitere Sidekick in zahlreichen deutschen Filmen wie Der Fürst von Pappenheim (1952), Der Onkel aus Amerika (1953) und natürlich Das Spukschloss im Spessart (1960) mit Liselotte Pulver, Heinz Baumann, Hans Clarin und Hanne Wieder in tragenden Rollen.
Die Aufgabe, Basil Rathbone und damit den Bösewicht von Der Hofnarr zu vertonen, fiel Erich Fiedler (1901 – 1981) zu, der den britischen Charakterdarsteller unter anderem auch in Wir sind keine Engel eindeutschte. Fiedlers Liste in der Synchronarbeit ist lang und umfasst unter anderem die Stimmen von Robert Morley (1908 – 1992), David Niven (1910 – 1983) und Peter Cushing (1913 – 1994). Wie sein Kollege Thomala ist er vornehmlich dem älteren deutschen Publikum aber eher durch seine zahlreichen Filmrollen bekannt, in denen er neben Kultstars wie Hans Albers, Marika Rökk, Heinz Rühmann, Ilse Werner und O.W. Fischer spielte.
Margot Leonard (1927 – 2014) gab die Maid Jean und lieh damit Glynis Johns eine deutschsprachige Stimme. Als Schauspielerin sah man sie ab 1964 überwiegend im Fernsehen, doch hinter der Kamera kannte man sie als „deutsche“ Marilyn Monroe und Brigitte Bardot. Die zweite wichtige Frauenrolle der von Angela Lansbury gespielten Gwendolyn (die Koeniger in Gwendoline umfunktionierte) übernahm indes Grudrun Genest (1914 – 2013), die ihr Handwerk in Berlin gelernt und an der dortigen Volksbühne gestartet hatte. Es ist durchaus schade, dass die Dortmunderin Gisela Trowe (1922 – 2010) nicht zum Zuge kann, war sie es doch, die Lansbury in Mord ist ihr Hobby für das hiesige Publikum unsterblich machte.
Bleiben neben einigen anderen noch Alfred Haase (1887 – 1960) als König Roderick (in Deutschland: Roderich), Ursula Krieg (1900 – 1984) als Griselda, Wolf Martini (1911 – 1959) als Sir Griswold und Wilhelm Borchert (1907 – 1990) als Erzähler. Der bekannte Theaterschauspieler eignete mit seiner starken, männlichen Stimme wie kaum ein anderer für diesen Part, eine Eigenschaft, die er bei zahlreichen Gelegenheiten, unter anderem als deutsche Stimme von Henry Fonda, John Wayne, Burt Lancaster, James Mason (vgl. Prinz Eisenherz) und Peter O’Toole (Der Löwe im Winter) an das Publikum herantrug.
Kritik
Über die Qualität von Der Hofnarr muss man nicht viel sagen. Der Film gehört auch nach 70 Jahren noch zu den farbenfrohesten, schönsten und fröhlichsten Revue-Abenteuerfilmen der großen Ära Hollywoods. Die Idee, ein mittelalterliches Setting aufzugreifen, in dem Danny Kaye seine Talente voll entfalten konnte, greift nach wie vor auf wundervoll unterhaltsame und charmant harmlose Weise.
Allein die hübsch choreografierte Szene zu Beginn, in der Hubert gemeinsam mit einigen „Merry Men“ im Waldversteck als Fuchs verkleidet ein Liedchen trällert, ist schon sehenswert. Vor allem die Pyramide der Künstler am Ende des Songs hat es in sich und zeigt sich in der vollen Pracht des VistaVision-Breitbildformats.
Wenn ein Film so flott startet, treibt das die Erwartungshaltung des Publikums in die Höhe, die in diesem Fall in keiner Weise enttäuscht wird. Egal ob Hubert die Soldaten des Königs als alter Mann verkleidet in den Wahnsinn treibt, als Giacomo hypnotisiert zwischen seiner wahren und der ihm von Griselda eingeredeten Persönlichkeit mit einem Fingerschnipp wechselt oder trottelig am Haken hängt: nie ist es genug der Scherze.
Abgesehen von den witzigen Sprüchen – die man aufgrund der zahlreichen Wortspiele übrigens am besten im amerikanischen Original genießt – bietet Der Hofnarr zudem ein Feuerwerk an familienfreundlicher Action, die den Film bestens dazu eignen, mit Kindern angeschaut zu werden.
Die große Fechtszene zwischen Ravenhurst und Hubert ist optisch ein Genuss und beweist eindrucksvoll den Wahrheitsgehalt der oben geschilderten Lernfähigkeit von Danny Kaye. Der Wechsel zwischen ängstlichem Trottel und geschickten, smarten Kämpfer gelingt so spielend, dass man nur darüber staunen kann. So etwas in der Art gibt es sonst nirgends zu sehen, auch wenn das Hollywood der 30er- bis 50er-Jahre eine ganze Reihe guter Fechter zu bieten hatte.
Der Überfall auf das Schloss ist dank der tollen akrobatischen Szenen und kunterbunten, wunderschönen Kostüme ebenfalls ein wahrer Augenschmaus, auch wenn Ravenhursts Abgang über die Mauer mittels eines Katapults sehr deutlich einem entsprechend gekleideten Dummy zu verdanken ist. Nichtsdestotrotz ist der Einfall, die geschlagenen Soldaten fließbandartig über Fässer und mit der Muskelkraft in den Beinen der zahlreichen Helfer des Fuchses zu „entsorgen“ einfach nur großartig.
Mehr als die Summe seiner Teile
Erfreulicherweise funktioniert das Werk aber nicht nur auf komödiantischer, musikalischer und auf der Action-Ebene, auch das Ensemble hinterlässt in der Gesamtbetrachtung einen hervorragenden Eindruck. Basil Rathbone hatte offensichtlich einen Riesenspaß an seiner Arbeit und verlieh seinem Bösewicht eine herrlich affektierte Attitüde, die indes dennoch glaubwürdig bleibt und Ravenhurst zu einem gefährlichen Gegner für den Helden macht.
Die Chemie zwischen Danny Kaye und Glynis Johns ist ebenfalls unübersehbar. Obwohl man der Maid Jean ehrlich gesagt kaum abnehmen kann, dass sie eine gestandene Kriegerin ist, gelingen die Liebesszenen dafür umso besser. Wenn Hubert und sie auf Stroh gebettet über die Hochzeit reden, wünscht man sich nichts sehnlicher, als die beiden am Ende des Films in einer Hochzeitszeremonie zu erleben.
Das mag aus heutiger Sicht altmodisch oder sogar altbacken klingen, entbehrt aber nicht einer klassischen Romantik, die dem Streifen eine gewisse Würze verleiht. Das vor allem, weil Hubert dank der Hypnotisierungskünste Griseldas auch noch zum Objekt von Prinzessin Gwendolyns Begierde wird, was für einige lustige Verwicklungen sorgt.
Angela Lansbury zeigt sich hier ohnehin von einer interessanten Seite. Einerseits verkörpert sie die typische, romantische Prinzessin, die von einem gutaussehenden, mutigen Ritter gerettet werden möchte. Andererseits droht sie ihrer Gouvernante kaltherzig und sogar skrupellos mit dem Tod, wenn diese ihren Willen nicht erfüllt. Allerdings fällt es retrospektiv betrachtet nicht unbedingt leicht, Lansbury in einer Rolle zu sehen, die oberflächlich betrachtet so wenig zu ihr zu passen scheint. Bei allem Respekt für ihre starke schauspielerische Leistung fehlt es ihr im Vergleich zu ihren Pendants aus anderen Filmen jener Tage ein Stück weit an einer gewissen "Grazie".
Die Schauspielerin verfügte zwar über eine beindruckend schlanke Figur und sieht in ihren filmischen Gewändern hübsch aus, eine klassische Schönheit im Sinne einer Janet Leigh, Olivia de Haviland, Joan Collins oder gar Elisabeth Taylor war sie aber nicht. Man möge das bitte nicht falsch verstehen, ihre Bühnenpräsenz und schauspielerische Qualität ist auch in Der Hofnarr beeindruckend.
Doch Hollywood war gerade in der großen Ära des Swashbucklers immer auch ein Sprungbrett, das über ausgeprägte Schönheit funktionierte. Vor allem Frauen hatten in der Regel dem damaligen Schönheitsideal zu entsprechen und Rollen zu spielen, die dem männlichen Idealbild möglichst nah kamen. Das alles ändert aber nichts daran, dass Lansbury die ideale Besetzung für die Gwendolyn war.
Fazit
Beschwingte Musik, bunte Kostüme, Witz, Charme und Action. Was kann und darf man von einem Klassiker der 50er-Jahre noch erwarten? Danny Kaye war ein absolutes Multitalent, der in Der Hofnarr ein großartiges Ensemble um sich versammelte und eine Revue-Komödie für die Ewigkeit schuf.
Der Streifen ist temporeich inszeniert, weist keinerlei Längen auf und wurde brillant am Schneidetisch zusammengefügt. Der die Songs von Sylvia Fine umgebende Score passt hervorragend und Basil Rathbone in seinem letzten Schwertkampf überhaupt bewundern zu dürfen, ist eine Augenweide für sich. Kurz und gut: besser konnte und kann man es nicht machen.
Wissenswertes
- Auch wenn man die Institution des Hofnarren in der Regel mit dem Mittelalter verbindet, führen die Ursprünge doch in die Antike zurück. Die älteste bekannte Beschreibung geht auf das „Symposium“ des griechischen Politikers und Schriftstellers Xenophon zurück. In dem Text geht es um ein für das Athen des 5. Jahrhunderts v. Chr. typisches Gastmahl, an dem auch Sokrates teilnimmt und in dem ein Spaßmacher zur Unterhaltung auftritt.
- Der Hofnarr ist nicht, wie für typische Robin-Hood-Varianten, im 12. Jahrhundert angesiedelt, sondern im 13. und damit der Zeit, auf die sich die ältesten historisch nachweisbaren Erwähnungen des englischen Outlaws datieren lassen.
- Abgesehen von dem „Fuchs“ bedient sich Der Hofnarr gleich mehrfach an seinem großen Vorbild von 1938. So verkleiden sich die Merry Men etwa als Mönche, als sie die Burg des Usurpators stürmen. Zudem gibt es gewisse Ähnlichkeiten im finalen Schwertkampf zwischen Ravenhurst und Hubert. Die Ähnlichkeiten zwischen den Kostümen der Merry Men und den Gefährten des Fuchses sind ebenfalls unverkennbar.
- Zu Beginn des Films tritt Kaye in einer Revuenummer mit einem Ensemble verkleidet als Fuchs auf und schmettert ein fröhliches Lied. Eine sehr ähnliche Szene gibt es auch in Helden in Strumpfhosen (Men in Tights, 1994)
Interessante Zusatzquellen
Druxman, Michael (1975): Basil Rathbone: his Life and his Films, A. S. Barnes and Co. Inc., Cranburry, New Jersey
Freedland, Michael (1985): The Secret Live of Danny Kaye, St. Martin’s Press, New York
Gottfried, Martin (1994): Nobody’s fool: the lives of Danny Kaye, Simon & Schuster, New York
Quin, Eleanor (2005): The Court Jester, https://www.tcm.com/articles/99293/the-court-jester (zuletzt aufgerufen am 31.12.2025)
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Bildquelle: Paramount Pictures (Universal Pictures)