Der eiserne Ritter von Falworth

(The Black Shield of Falworth, 1954)

 

Ritterspaß für jung und alt

Von Reinhard Prahl

Ein junger Held, der zum Ritter geschlagen wird, eine Lady in Nöten und ein Bösewicht, der den guten König stürzen will. Genau das braucht der geneigte Ritterfilmfan.

 

Das passiert

England zur Zeit von König Heinrich IV. Myles (Tony Curtis) und seine Schwester Meg (Barbara Rush) leben friedlich auf einem kleinen Gehöft, als sie eines Tages ungebetenen Besuch von dem Adligen Walter Blunt (Patrick O'Neal) und seinem Gefolge erhalten. Als sich ein feister Edelmann an Meg zu vergreifen versucht, schreitet Myles ein und schafft sich damit einen mächtigen Feind. Er flieht in die Abtei von Friar Edward (Leonard Mudie), der ihm ein Schreiben und einen Siegelring aushändigt.

Der Geistliche befiehlt dem jungen Mann als Knappe in die Dienste von William, Earl of Mackworth, einzutreten, da er von adligem Geblüt sei und der Earl seinem Vater einen Gefallen schuldet. Am Hof lernt Myles nicht nur die schöne Lady Anne (Janet Leigh) kennen und verliebt sich unsterblich in sie. Bald schon findet er heraus, dass sich ausgerechnet sein Erzfeind Walter Blunt am Hof befindet und bald schon zum Ritter geschlagen wird. Zu allem Überfluss begehrt er auch noch Lady Anne und plant mit seinem Bruder, dem Earl of Alban, (David Farrar) nicht weniger als den Sturz des Königs.

 

Über den Film

Wie schon im Artikel zu Prinz Eisenherz betont wurde, waren Swashbuckler-Filme in den 50er-Jahren in Hollywood überaus angesagt. Wie James Robert Parish in seinem Standardwerk Hollywood’s Great Love Teams 1974 betonte, hatte MGM Die Ritter der Tafelrunde (Knights of the Round Table, 1953), Warner Bros. Der Talismann (King Richard and the Crusaders, 1954) und Twentieth Century Fox Prinz Eisenherz (Prince Valiant, 1954) (Parish: 581 f.). Wenn also schon drei der „Big Five“ Hollywoods auf Ritterfilme setzten, warum sollten sich nicht auch die „Little Three“ anschließen?

Und so geschah es, dass auch Columbia Pictures mit Unter schwarzem Visier (The Black Knight, 1954) und einige Jahre später United Artists mit Die Wikinger (The Vikings, 1958) ihr Glück versuchten. Davor, genauer gesagt ebenfalls im Jahr 1954, trat aber zunächst Universal Pictures auf den Plan. Um gegen Stars wie Robert Taylor (1911 – 1969), Ava Gardner (1922 – 1990), Oscarpreisträger George Sanders (1906 – 1972) oder den aufstrebenden Robert Wagner anzukommen, rief Universal das damalige Hollywood-Traumpaar schlechthin auf den Plan: Janet Leigh und Tony Curtis.

Beide waren ohnehin in Übung. Janet Leigh hatte gerade erst in Prinz Eisenherz im Sattel gesessen und Tony Curtis in Die Diebe von Marschan (The Prince Who Was a Thief, 1951) und Der Sohn von Ali Baba (Son of Ali Baba, 1952) zwar nicht das Schwert, dafür aber den Krummsäbel geschwungen.

 

Das Casting

Allerdings standen das Ehepaar Curtis und Leigh bei weitem nicht allein auf weiter Flur, sondern wurden von einem interessanten, aus „jungen Wilden“ und „erfahrenen Recken“ bestehenden Ensemble flankiert. Die Hauptgegner von Curtis’ Figur Myles waren laut Drehbuch der arrogante Ritteranwärter Walter Blunt (Patrick O'Neal, 1927 – 1994) und sein älterer Bruder, der intrigante Earl of Alban (David Farrar).

Wischen wir den Einwand beiseite, dass es historisch betrachtet nie einen Earl of Alban gab und befassen uns stattdessen zunächst mit Patrick O’Neal, kommen einige interessante Fakten dabei heraus. Patrick O’Neal war 27 Jahre alt, als er die Rolle übernahm und befand sich damit in derselben Altersklasse wie Tony Curtis. Er startete seine Karriere 1951 als Nebendarsteller im damals noch jungen Fernsehen. Der eiserne Ritter von Falworth war daher eine echte Chance, sich endgültig im Schauspielgeschäft zu etablieren.

Trotz der ihm anvertrauten großen Rolle, die er mit Bravour meisterte, blieb ihm jedoch der Erfolg als großer Leinwandheld versagt. Seine Zukunft lag im TV, wo er im Laufe der Jahre zu einem gern gebuchten Gaststar wurde, der nach dem Universal-Swashbuckler noch in über 100 weiteren Rollen zu sehen war, bevor er 1994 an akutem Atemversagen infolge einer Tuberkulose verstarb.

Der 1,83 Meter große, in London geborene Herbert Marshall hatte zwar im Ersten Weltkrieg ein Bein verloren und trug seitdem eine Holzprothese, das hinderte ihn aber nicht an einer erfolgreichen Schauspielkarriere. Zwischen 1927 und 1929 machte er sich einen Namen im Stummfilmgeschäft, bevor ihn Alfred Hitchcock 1930 für einen seiner frühen Tonfilme entdeckte. In Mord – Sir John greift ein! (Murder!) gab Marshall den titelgebenden Sir John Menier. Danach folgten teils prominente Rollen in Filmen wie Die Piratenkönigin (Anne of the Indies, 1952) oder Der schwarze Jack (Black Jack, 1950), bis sich Marshall immer mehr auf das aufblühende Fernsehgeschäft verlegte.

Weitere erwähnenswerte Namen wären Craig Hill (1926 – 2014) als Myles’ Sidekick Francis Gascoyne, Torin Thatcher in der markigen Rolle des Sir James, Dan O’Herlihy (1919 – 2005) als Prinz Hal, Ian Keith (1899 – 1960) als König Heinrich IV. sowie Rhys Williams (1897 – 1969) als Diccon Bowman.

Last but not least darf eine Schauspielerin nicht unerwähnt bleiben, die vor allem Science-Fiction-Fans nicht gänzlich unbekannt sein dürfte. Die Rolle von Myles’ hübscher Schwester Meg füllte die damals 27-jährige Barbara Rush aus, die wir aus Werken wie Der jüngste Tag (When Worlds Collide, 1951) oder Gefahr aus dem Weltall (It Came from Outer Space, 1953) kennen.

 

Die Produktion von Der eiserne Ritter von Falworth

Die Zugpferde für Der eiserne Ritter waren bereits früh gesetzt worden, während der Rest des Casts wie üblich nach und nach die Reihen füllte. Bevor es aber so weit war, benötigte man zunächst ein Gerüst in Form eines veritablen Drehbuchs. Als Schreiber engagierte Universal International Branchenveteran Oscar Brodney (1907 – 2008), der sich mit Filmen wie Mein Freund Harvey (Harvey, 1950) und Die Glenn Miller Story (The Glenn Miller Story, 1954) einen mehr als nur guten Namen gemacht hatte.

Allerdings kämpfte Brodney von Anfang an mit den technischen Umständen. Universal hatte sich nämlich in den Kopf gesetzt, mit Der eiserne Ritter von Falworth seinen ersten Film in CinemaScope herauszubringen. Dabei handelte es sich um ein gerade erst 1953 eingeführtes Breitbildverfahren, bei dem mithilfe anamorphotischer Objektive ein deutlich breiteres Bild auf 35-mm-Film aufgezeichnet und bei der Projektion wieder entzerrt wurde.

Es sollte dem Kino vor allem gegenüber dem aufkommenden Fernsehen einen spektakuläreren, „größeren“ Bildeindruck verschaffen. Wir erleben übrigens heute noch das Erbe dieses Verfahrens im Kino oder auf dem heimischen Fernseher, wenn wir Filme in den Seitenverhältnissen 2,35:1 bis 2,39:1 bewundern, doch dies sei nur am Rande erwähnt. James Robert Parish brachte es auf jeden Fall bezüglich der Produktion auf den Punkt, als er schrieb, dass der Film unter allzu nachlässigen Produktionsbedingungen hergestellt wurde, um den technischen Anforderungen Rechnung tragen zu können (Parish: 582).

Sein Urteil lautete wörtlich: „Mit seiner Vielzahl an synthetischen Strumpfhosen, dünnen Hemden und Plastikburgmauern könnte man durchaus mit Bosley Crowther übereinstimmen, der bemängelte, dass das Treiben der ritterlichen Herren und Damen hier wie ein Maskenball an einer Highschool wirkt. Und die Eskapaden der Playboy-Ritter des 14. Jahrhunderts werden auf das Niveau einer Martin-und-Lewis-Klamotte reduziert.“ (Parish: 582)

Aus heutiger Sicht mag dies ein viel zu hartes Urteil für Der eiserne Ritter von Falworth sein, zumal Tony Curtis aufgrund seines starken New Yorker Akzents ohnehin unter gesonderter Kritikerbeobachtung stand. Schon in Der Sohn von Ali Baba hatte er für unfreiwillige Lacher gesorgt, als er den Satz „Yondah lies the castle of my father, the caliph“ in etwa so aussprach: „Yondah lies the castle of my faddah.“

Dieser „akzentuierte Ausrutscher“ ist für unsere Betrachtung deshalb interessant, weil einige Journalisten ihn später falsch verorteten und ihn dem hier besprochenen Ritterfilm zuordneten. Interessant ist in dieser Hinsicht vielleicht noch zu wissen, dass Curtis im Alter in Interviews stets abstritt, den besagten Satz in den sprichwörtlichen Sand von Bagdad gesetzt zu haben.

Diese Verteidigung darf man aber aus drei Gründen bezweifeln: erstens aufgrund der US-Fassung selbst, zweitens aufgrund von Curtis’ eigener Aussage in seiner Autobiografie und drittens, weil Janet Leigh im selben Buch bestätigt, dass ihr Ex-Mann jahrelang mit seinem Akzent zu kämpfen hatte und hart daran arbeitete, seine Aussprache zu verbessern (Curtis/Paris: 100).

Drehbeginn

Das Drehbuch selbst basiert lose auf Howard Pyles Roman „Der jüngste Ritter“ von 1892 und erzählt „eine weitere verrückte Story über Ritter in Rüstungen und Ladies in Nöten“, wie sich Tony Curtis erinnerte (Curtis/Paris: 121). Sicherlich kann und darf man argumentieren, dass mehr aus dem Plot herauszuholen gewesen wäre, allerdings sollten und wollten Swashbuckler niemals tiefsinnig oder komplex sein, sondern mittels bunter Kostüme, reichlich Action und Romantik gepaart mit Star-Flair dem Publikum eine unterhaltsame Zeit bereiten. Ob und wie das gelang, schauen wir uns später noch detaillierter an, einstweilen befassen wir uns zunächst mit den Dreharbeiten.

Diese begannen am 10. Dezember 1953 unter den Arbeitstiteln „Men of Iron“ und „The Black Shield“. Einige Szenen entstanden auf der Rowland V. Lee Ranch in San Fernando, Los Angeles, den Löwenanteil drehte man aber auf dem Backlot der Universal Studios auf dem bereits 1938 für den Horrorfilm Der Henker von London (Tower of London, 1939) gebauten Set. Ein Jahr zuvor hatte Nathan Juran (1907 – 2002) dort auch den Abenteuerstreifen Das goldene Schwert (The Golden Blade, 1953) mit Rock Hudson in der Hauptrolle gedreht, und was gut genug für ein Sand-and-tits-Film war, war erst recht gut genug für die Ritter König Heinrichs IV.

Regisseur Rudolph Maté legte ein hartes Tempo vor und ließ Cast und Crew Tag und Nacht arbeiten. Die langen Drehs und die insgesamt harten körperlichen Bedingungen führten dazu, dass Janet Leigh und Tony Curtis in ihren auf dem Backlot gelegenen Dressing-Room-Bungalow umzogen. Das Haus war groß und komfortabel eingerichtet. Bäume und eine große Rasenfläche umgaben das Refugium.

Die Wohlfühlatmosphäre sorgte wiederum für eine längere Schlafphase der Stars. Der Luxus änderte aber nichts daran, dass der Film vor allem für Tony Curtis harte Arbeit bedeutete. Zwar stand ihm sein Stamm-Stunt-Double Dave Sharpe zur Seite. Doch die vielen Nahaufnahmen verlangten, dass er oft genug selbst Wände hochklettern musste, in Turnermanier auf Pferde sprang, sich behände in einer einige Dutzend Kilo schweren Rüstung mit seinem filmischen Gegenspieler maß und vieles mehr.

Wie anspruchsvoll der Dreh war, zeigt sich auch in einer kleinen Anekdote. Eine Fechtszene erforderte eine Nahaufnahme mit Curtis, so dass er das schwere Schwert – das übrigens keine stumpfe Requisite war – selbst schwang. Leider funktionierte die Choreografie nicht sonderlich gut, so dass sein Opponent das Timing verpatzte und den Mimen an der Wange traf. Der Hieb verursachte glücklicherweise nur eine oberflächliche Wunde, doch Janet Leigh erinnert sich: „Nur ein Viertel Inch (6,35 mm, Anm. d. Autors) weiter rechts, und wir hätten ein ernstes Problem gehabt.“ (Leigh: 171)

 

Der Fall Maté

Eine weitere nette Anekdote betrifft den 1898 in Krakau geborenen und am 27. Oktober 1964 in Beverly Hills verstorbenen Regisseur Rudolph Maté. Er hatte bereits 1951 mit Curtis bei Die Diebe von Marschan (The Prince Who Was a Thief) sowie 1953 bei Strandgut (Forbidden) zusammengearbeitet, so dass es keineswegs übertrieben ist, zu behaupten, beide kannten sich recht gut. Deshalb war ihm auch eine kleine Eigenart Matés bestens bekannt, die er nun seiner Frau berichtete.

Die Diebe von Marschan war seine erste Hauptrolle gewesen und entsprechend unsicher fühlte sich der damals noch aufgehende Star am Schauspielhimmel. Vor allem in den ersten Tagen schaute er also nach jedem Take zu seinem Regisseur hinüber, der scheinbar ablehnend den Kopf schüttelte. Curtis’ Verwunderung stieg noch weiter an, als Maté zu ihm herüberkam und ihn mit einem fröhlichen „Das war sehr gut, mein Junge, sehr gut“, lobte.

Inzwischen war natürlich klar, dass der Regisseur den Tick hatte, den Kopf zu schütteln, wenn ihm etwas besonders gut gefiel. Ganz davon abgesehen beschreibt Janet Leigh den Regisseur aber als ausgesprochen höflich und liebenswürdig, Eigenschaften, die man seinen Filmen zweifelsfrei anmerkt.

Das Produktionsteam

Die Arbeiten dauerten bis Ende Januar 1954, wobei sich retrospektiv leider kein genaues Datum ausmachen lässt. Der Film hatte allen Beteiligten viel abverlangt, nicht nur den oben bereits erwähnten Oscar Brodney und Rudolph „Rudy“ Maté. Insgesamt gehörten 34 Schauspielende dem Ensemble an, von denen 15 nicht namentlich erwähnt wurden.

Als Produzenten traten der bekannte Robert Arthur (u. a. Die schwarzen Teufel von Bagdad (Bagdad, 1949) und Die Piratenbraut (Buccaneer’s Girl, 1950)) sowie der zuvor eher mit kleineren Republic-Western beschäftigte Melville Tucker (Adlerschwinge (Drums Across the River, 1954)) auf den Plan. Es sollte die einzige Zusammenarbeit der beiden bleiben.

Interessanterweise werden für den Streifen gleich drei Komponisten gelistet, darunter Herman Stein (1915 – 2007), der sich 1965 mit seinen Kompositionen für Verschollen zwischen fremden Welten (Lost in Space, 1965 – 1968) ein Science-Fiction-Denkmal setzen sollte. Der später für Zeichentrickserien aktive Hans J. Salter (1896 – 1994) und Frank Skinner (1897 – 1968) komplettierten das Trio.

Als Musik-Supervisor fungierte hingegen der in Russland geborene Joseph Gershenson (1904 – 1988). Er war bereits seit 1935 im Geschäft, wobei wir sein Gefühl für das große Ganze noch heute unter anderem in Winchester ’73 (Winchester ’73, 1950), Gefahr aus dem Weltall (It Came from Outer Space, 1953) oder in Der Schrecken vom Amazonas (Creature from the Black Lagoon, 1954) erleben dürfen.

Als Kameramann fungierte der in Warschau geborene Irving Glassberg. Er hatte seine Karriere als Chefkameramann 1947 mit dem Film Das Netz (The Web, 1947) gestartet und sich innerhalb weniger Jahre zum etablierten Profi hochgearbeitet. 1951 arbeitete er mit Tony Curtis an Die Diebe von Marschan; ein Jahr später fotografierte er den Western-Klassiker Meuterei am Schlangenfluß (Bend of the River, 1952) mit James Stewart, bevor er Der eiserne Ritter von Falworth in Bilder fasste. Bis zu seinem Tod blieb er mit 16 weiteren Streifen ein vielbeschäftigter Mann, darunter Werke wie Die purpurrote Maske (The Purple Mask, 1955) mit Tony Curtis in der Titelrolle.

Sein letzter, posthum veröffentlichter Titel war In den Klauen der Unterwelt (Cry Tough, 1959) mit einem noch sehr jungen John Saxon (1936 – 2020) in der Hauptrolle. Er verstarb überraschend während der Dreharbeiten am 9. September 1958 aus ungeklärter Ursache. Er hatte nur vier Tage am Set gestanden, als sein Kollege Philip H. Lathrop den Job aufgrund der tragischen Umstände übernehmen musste.

Die Kostümschneiderei lag in den kundigen Händen von Rosemary Odell (27. September 1924 – 22. April 1992), womit die altbekannte Universal-Riege versammelt war. Abschließend zu diesem Abschnitt seien noch Joan St. Oegger (1. Juni 1908 – 22. März 1976) als Friseurin, Bud Westmore (13. Januar 1918 – 24. Juni 1973) aus dem berühmten Westmore-Clan als Make-up-Artist sowie Alexander Golitzen (28. Februar 1908 – 26. Juli 2005) und Richard H. Riedel (5. April 1904 – 18. März 1960) als Art Directors nicht unerwähnt. Für die Set Decoration zeichneten Russell A. Gausman (4. Juli 1892 – 20. Mai 1963) und Oliver Emert (9. Dezember 1902 – 13. August 1975) verantwortlich.

 

Die Veröffentlichung

Der eiserne Ritter von Falworth startete am 2. September 1954 in den US-amerikanischen Kinos, Deutschland folgte am 17. Dezember. Bei einem Budget von rund 1,2 Millionen Dollar erzielte der Film in den USA und Kanada rund 1,8 Millionen Dollar an Verleiheinnahmen. Von einem großen Erfolg zu sprechen wäre daher in Anbetracht der Tatsache, dass zum Beispiel Die Wikinger 1958 allein in den USA und Kanada 6,2 Millionen Dollar an Verleiheinnahmen erzielte und weitere sieben Millionen Dollar in Übersee, leicht übertrieben.

Allerdings muss man fairerweise eingestehen, dass der Richard-Fleischer-Blockbuster dafür auch 3,5 Millionen Dollar verschlang und die internationalen Einspielergebnisse des Universal-Films bis heute unbekannt sind. Hinzu kamen ab 1966 belegte US-TV-Ausstrahlungen, so dass Der eiserne Ritter von Falworth insgesamt durchaus etwas einbrachte.

 

Die Synchronisation von Der eiserne Ritter von Falworth

Die deutsche Fassung von Der eiserne Ritter von Falworth entstand 1954 bei der Berliner Synchron GmbH Wenzel Lüdecke unter der Regie von Albert Baumeister. Tony Curtis erhielt mit Herbert Stass eine Stimme, die seinen jugendlichen Übermut angenehm erdete, während Margot Leonard Janet Leigh sprach. Eine Besetzung mit hübschem Nachhall: Sechs Jahre später war Leonard erneut Leighs deutsche Stimme in Hitchcocks Psycho.

Und damit nicht genug der kleinen Synchron-Zeitreise. Eckart Dux, hier als Francis Gascoyne zu hören, sprach dort Anthony Perkins als Norman Bates, Klaus Miedel wechselte vom finsteren Grafen Alban zum erklärenden Psychiater und Paul Wagner vom Sir James zum Sheriff Chambers. Selbst Gert Günther Hoffmann, der Patrick O’Neal als Walter Blunt seine Stimme lieh, sollte bald zu einer der markantesten deutschen Kinostimmen überhaupt werden – vor allem als Stammsprecher von Sean Connery. So klingt Falworth rückblickend stellenweise fast wie ein Klassentreffen jener Stimmen, die das deutsche Kino der folgenden Jahrzehnte prägen sollten.

Kritik

Warum eigentlich nicht?

Beginnen wir die kritische Betrachtung zu Der eiserne Ritter von Falworth mit einigen – zugegebenermaßen – harten Worten, denn ein Meisterwerk ist der Film wahrlich nicht. Man merkt dem Drehbuch noch heute an, dass die Geschichte zu stark auf Simplizität setzt und jeglichen Charakterüberbau vermissen lässt.

Klar, wie eingangs betont, sollten Swashbuckler nie viel mehr als pure Unterhaltung sein. Doch wie man Heldentum mit einer durchaus dramatischen Geschichte verbinden konnte, hatte bereits 1938 Robin Hood, der König der Vagabunden (The Adventures of Robin Hood) gezeigt. Selbst die Story des kurz zuvor veröffentlichten Prinz Eisenherz hatte mehr Substanz.

Rückblickend betrachtet lag das vornehmlich daran, dass sich Autor Oscar Brodney nicht entscheiden konnte, wie witzig er werden wollte. Einerseits stehen wir heute deshalb einigen albernen Szenen wie der Kletterei von Myles und Francis über die Mauern des den Ladies vorbehaltenen Gartens gegenüber, andererseits versprüht die Verschwörung aber pures Drama.

Bei dem oben erwähnten Robin Hood hatte eine ähnliche Kombination deshalb funktioniert, weil Errol Flynn bei aller Leichtigkeit stets elegant blieb und damit den perfekten mittelalterlichen Edelmann repräsentierte, dem man böse mitgespielt hatte.

Curtis war fraglos charmant, gutaussehend und körperlich fit, doch ihn umgab noch immer eine gewisse kindliche Naivität, die für „Sand-and-Tits“-Filme perfekt geeignet war, nicht aber für einen Ritterfilm mit einem grundlegenden Drama-Plot. Das ist übrigens eine Diskrepanz, mit der viele Filme der 50er-Jahre zu kämpfen hatten. Das Publikum wollte das Drama, aber bitte nicht zu viel davon. Die amerikanische Leichtigkeit und das nach dem Krieg erwachsene Selbstbewusstsein einer ganzen Nation hatten gefälligst spürbar mitzuschwingen.

Drauf gepfiffen

Soweit zum „offiziellen“ Teil. Nähern wir uns nun jenen filmischen Gefilden, in denen der reine Spaß regiert. Und Spaß hat man mit Der eiserne Ritter von Falworth reichlich. Als an Frauen interessierte Person darf man sich darüber freuen, wie zuckersüß Janet Leigh und Barbara Rush in ihren wunderschönen Kostümen aussehen und wie würdevoll sie trotz aller Jugendlichkeit sind. Für die anderen mag es die auch heute noch tolle Ritter-Action sein, die begeistert.

Das athletische Können von Tony Curtis ist fast so unterhaltsam wie das eines Burt Lancasters in Der Rebell (The Flame and the Arrow, 1950), die Kampfchoreografien können sich sehen lassen und die Kostüme sind aller Ehren wert. Dass die Sets auf dem Backlot von Universal entstanden, stört den Fan klassischer Hollywood-Filme zudem genauso wenig. Die glänzenden Farben und das Schauspiel legen Zeugnis von einer Zeit ab, in der viele Action-Stars noch die meisten Stunts selbst übernahmen.

Die Kameraführung mag aus heutiger Sicht bisweilen ein wenig statisch wirken, das liegt in diesem Fall aber mehr an den technischen Bedingungen des neuen CinemaScope-Verfahrens als an mangelndem Können. Dasselbe gilt für die Leistung Rudolph Matés, der zwar die meiste Zeit seines beruflichen Lebens mit der Herstellung von B-Filmen verbrachte, dies aber wiederum überaus erfolgreich tat.

Fazit

Der eiserne Ritter von Falworth ist ein kurzweiliger Spaß für die ganze Familie. Wer wie der Autor dieses Artikels ein Kind hat, das Ritter und Piraten liebt, kann mit dem Film absolut nichts falsch machen. Das Werk ist bunt, charmant, lustig, aber auch spannend. Die Kämpfe – vor allem das Ritterturnier – sind toll inszeniert, ohne zu brutal und blutig zu sein, die deutsche Synchronisation ist angenehm warm und nach rund eineinhalb Stunden fühlt man sich trotz kleiner Schwächen gut unterhalten.

Wissenswertes

    • Obwohl die Regierungszeit Heinrichs IV. in eine Zeit des trügerischen Friedens mitten im Hundertjährigen Krieg gegen Frankreich fiel, sollte sein Sohn Heinrich V. (im Film der Prinz von Wales) die Kämpfe um die traditionellen Herrschaftsgebiete der Plantagenets in Frankreich wieder aufnehmen.

     

    • Während der Roman im Jahr 1400 angesiedelt ist, verknüpft Der eiserne Ritter von Falworth mindestens drei Phasen der vierzehnjährigen Regierungszeit des englischen Königs.

     

    • Den im Film von Daniel Peter „Dan“ O’Herlihy gespielten Prinzen Hal bzw. den Prinzen von Wales gab es wirklich. In Wahrheit hieß der am 16. September 1386 in Wales geborene Sohn König Heinrichs IV. Harry of Lancaster und wurde später zu Heinrich V.

     

    • Der Konflikt zwischen Heinrich IV. und dem fiktiven Earl of Alban greift Motive des in der englischen Geschichte als „Epiphany Rising“ bezeichneten Aufstands auf. Dieser wurde von einer Gruppe Adliger angeführt, die Richard II. nach der Usurpation des Throns durch Heinrich IV. unterstützten.

     

    • Das im Film angesprochene Zerwürfnis zwischen Heinrich IV. und seinem Sohn datiert auf die Zeit nach 1405, in der sich der Gesundheitszustand des Königs immer weiter verschlechterte.

     

    • Heinrich IV. litt, wie im Film angedeutet, tatsächlich unter mindestens zwei schweren Krankheitsbildern. Die bei Wikipedia genannten Diagnosen Epilepsie und Lepra sind jedoch nicht gesichert und stehen in der Forschung konkurrierenden Deutungen gegenüber.

 

Interessante Zusatzquellen

Curtis, Tony; Paris, Barry (1995): The Autobiography, Mandarin Paperbacks, London, Auckland, Melbourne, Singapore and Toronto

Jones, Dan (2023): Mächte und Throne: Eine neue Geschichte des Mittelalters, C.H. Beck, München

Jones, Dan (2023): Kampf der Könige. Das Haus Plantagenet und das blutige Spiel um Englands Thron, C.H. Beck, München

Krieger, Karl-Friedrich (1990): Geschichte Englands von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert, C.H. Beck, München

Leigh, Janet (1984): There Really Was a Hollywood, Doubleday & Company Inc., New York

Munn, Michael (2011): Tony Curtis: Nobody Is Perfect, JR Books, London

Parish, James Robert (1974/2014): Hollywood’s Great Love Teams, Encore Film Book Classics

Pirenne, Henri (1956/2009): Europa im Mittelalter. Von der Völkerwanderung bis zur Reformation, Anaconda Verlag/Random House, München

 

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